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30. August 2007 WAZ / RG

Eine Hochzeit mit Zündstoff

Aus WASG und PDS wird am Samstag offiziell Die Linke. Neue Partei zählt 165 Mitglieder. Ralf Herrmann kandidiert als Sprecher. Kein gemeinsamer Wahlvorschlag

Am Samstag ist Antikriegstag. Dass der offizielle Zusammenschluss der sich nicht immer grünen WASG und PDS zum gemeinsamen Kreisverband Die Linke auf diesen symbolträchtigen Tag gelegt wurde, sei reiner Zufall und nicht an die Hoffnung geknüpft, dass es friedlich bleibt. Beteuern zumindest Vertreter der beiden ungleichen Parteien.

So oder so: Die morgige Veranstaltung im Bistro am Bugapark steht unter besonderen Vorzeichen - gilt Gelsenkirchen doch als Hochburg. Mit 7,9 % erzielte die Linkspartei hier bei der Bundestagswahl 2005 ihr bestes NRW-Ergebnis. Und: Mit 165 Mitgliedern wird der Kreisverband - in Relation zur Einwohnerzahl - landesweit die Nr.1 sein. Von Euphorie ist zurzeit trotzdem wenig zu spüren im Umfeld der beiden Lager. Angesichts von heftigen Zerwürfnissen Anfang des Jahres (wir berichteten) ist das nicht überraschend. Ob die Wunden etwas verheilt sind, wird sich auch bei der Wahl der beiden Partei-Sprecher zeigen.

Ralf Herrmann (45), bisher Chef der WASG, will entgegen früherer Ankündigungen nun doch antreten. Mitglieder hätten ihn zur Kandidatur aufgefordert, begründet Herrmann seinen (kleinen) Rückzieher.

Wenn es der Wahlalternative auch nur ansatzweise gelingt, ihre Klientel zu mobilisieren, dürfte Herrmanns Wahl am Samstag nur Formsache sein. Denn: Mehr als 100 der insgesamt 165 Mitglieder werden der WASG zugerechnet. Rund 30 Mitstreiter zählte zuletzt nach eigenen Angaben die PDS. Der Rest sind neue Mitglieder, heißt es.

Der aus beiden Lagern zusammengesetzte Übergangsvorstand wird Samstag keinen gemeinsamen Wahlvorschlag vorlegen. Die PDS schickt mit Marina Göttert ein völlig unbeschriebenes Blatt ins Rennen um den Job der Sprecherin. Thorsten Jannoff (PDS), ein Motor des Vereinigungsprozesses, setzt auf "Fairness". Der 41-Jährige, hauptberuflich Geschäftsführer der Essener Ratsfraktion von Die Linke/DKP/AUF, hofft auf ein Votum für Göttert und darüber hinaus eine "angemessene Vertretung" seiner Gruppierung im Vorstand. Herrmann betonte dagegen im Vorfeld vielsagend, dass es nicht mehr um Parteien, sondern nur noch um Personen geht.

Offen ausgetragen wird der Konflikt in Sachen Ratsfraktion: Herrmann beklagte sich in dieser Woche erneut über "Alleingänge" der PDS-Vertreter im Rat, die mit AUF/MLPD eine Fraktion bilden: "Diese Alleingänge darf es künftig nicht mehr geben."

Unumstritten ist das Ziel, künftig in allen fünf Stadtbezirken präsenter zu sein. Vor allem im Norden bekam die Linke bisher kaum ein Bein auf die Erde. Nicht zuletzt mit Blick auf die Kommunalwahl 2009 will sich die Linke breiter aufstellen. Zwischen sechs und zehn Prozent peilt die neue Partei an, um anschließend ein gewichtiges Wörtchen in Gelsenkirchen mitzureden.

Das "Kompliment" der SPD, dass die Linke in ihrem jetzigen Zustand für eine Zusammenarbeit nicht in Frage kommt, gibt Ralf Herrmann gerne zurück: "Die Gelsenkirchener SPD muss sich auf uns zubewegen und sozialer werden, wenn sie ein Bündnispartner sein will", sagt Hartz-IV-Gegner Herrmann.

Quelle WAZ vom 30.08.2007 - loc