KHS / JK
In Saarbrücken sind mehr als 150 Busfahrer in DIE LINKE. eingetreten. Darunter der Betriebsratsvorsitzende der Saarbahn AG, Winfried Jung, der am Mittwoch gegenüber AP bestätigte, daß mehr als die Hälfte seiner 300-köpfigen Belegschaft diesen Schritt gegangen ist. Es gebe eine Reihe von Mosaiksteinchen, die dazu geführt hätten, so Jung gegenüber der Saarbrücker Zeitung (SZ) am Mittwoch. Einer der größeren dürfte der geplante Verkauf der Stadtwerke sein. »Jetzt will man 49 Prozent veräußern, und was geschieht dann mit dem Rest?«, will der Betriebsratsvorsitzende wissen.
Der saarländische Landesvorsitzende der Linken, Rolf Linsler, der die Kollegen heute gemeinsam mit Parteichef Oskar Lafontaine vor der Presse in der Partei begrüßen will, meinte, die Geschäftsführung dürfe sich nicht wundern: »Jeder wird halt nach dem beurteilt, was hinten rauskommt«. Deren erster Vorschlag sei die Privatisierung gewesen, und nun plane man auch noch die Ausdünnung des Saarbrücker Liniensystems, so Linsler in der SZ. Die Leute würden immer mehr verunsichert.
Betriebsrat Jung sieht auch Gründe für den Masseneintritt, die nichts mit den Stadtwerken zu tun hätten. Die Rente mit 67 und die geplante Abschaffung der Berufsunfähigkeit fallen ihm ein. Und dann war da noch der »Maulkorb-Erlaß«. Dem Bericht der SZ zufolge hatte es bei der Saarbahn kürzlich eine Dienstanweisung gegeben, mit der die Geschäftsführung Parteienwerbung im Betrieb unterbinden wollte. Während der Dienstzeiten, so Jung, könnten sich die Fahrer aber mit niemandem über Politik unterhalten, weil sie da am Steuer säßen. Also blieben für politische Gespräche nur die Pausen: »Wir haben ein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Wieso will man uns das verbieten?« Dahinter könne nur die Angst stecken, daß sich nächstes Jahr die politische Landschaft auch im Saarbrücker Stadtrat ändern werde, antwortet Linsler in der SZ.
Quelle: junge Welt