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Fridays for Future setzt starkes Zeichen gegen Klimawandel in GE

Weltweit fanden am 20. September Proteste von Fridays for Future für eine klimagerechte Politik statt, auch in Gelsenkirchen auf dem Heinrich-König-Platz. Unsere Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers und unser stellvertretender Sprecher Jonas Selter machten in ihren Redebeiträgen vor Ort unter anderem auf die sozialen Aspekte einer klimafreundlichen Politik aufmerksam und lobten das Engagement der vielen jungen Teilnehmer.

Ein Meer aus Sonnenblumen begrüßte die Teilnehmer*innen der Fridays for Future Kungebung am vergangenen Freitag. Damit wollten die Schüler*innen auf die fehlende Bepflanzung auf dem Heinrich-König-Platz aufmerksam machen. Ohne geeignete Grünlagen tragen große Betonflächen zusätzlich zur Erwärmung der Stadt bei, was bei dem durch den Klimawandel zu erwartenden Temperaturanstieg zu negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bürger*innen führt, begründeten die Organisator*innen die Aktion. Über 500 Menschen aller Altersgruppen schlossen sich der Kundgebung an.
Im Anschluss folgte eine gemeinsamer Marsch durch die Gelsenkirchener Innenstadt zum Bahnhofsvorplatz. Neben Redebeiträgen der Vertreter*innen von Fridays for Foture erhielten auch unsere Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers und unser stellvertretender Sprecher Jonas Selter das Wort. Hier ist seine Rede im Original:

Sind wir noch zu retten? 

Der Amazonas brennt, die Arktis schmilzt, ein neues Massensterben hat begonnen, die Wissenschaft warnt und die Staatenlenker schauen zu.

Ist unser Ringen um die Rettung des Planeten vergebens?

Das vorherrschende Gefühl unserer Zeit scheint bei vielen Menschen die Angst zu sein und nicht der Mut. Nicht hier und nicht heute, wo wir und weltweit hunderttausend andere auf die Straße gehen, um für eine lebenswerte Zukunft einzustehen. 

Doch die Angst sitzt im Wohnzimmer, in der Chefetage, hinter der Tastatur und auch im Kanzleramt. Angst ist jedenfalls die falsche Antwort auf den Klimawandel. 

Es sind die, die sagen, dass es schon zu spät ist und wir nichts mehr tun können, weil der Klimawandel schon im vollen Gange sei und andere Probleme viel wichtiger seien.

Es ist die Angst der Unternehmen nicht mehr volle Gewinne zu schöpfen, wenn plötzlich in Brennstoffzellen, intelligente Energiespeichersysteme oder Solarpanele auf Fabrikhallen investiert werden soll. 

Es ist die Angst unserer Bundesregierung davor eine Klimapolitik zu machen, die wir schon lange fordern, weil sie den Unmut unserer Wirtschaft mehr fürchten als den Protest der jüngeren Generation. 

Es ist die Angst vor neuen Schulden, die die nötigen Ausgaben für mehr Klimaschutz bremst. Schuldenbremse gleich Klimaschutzbremse. Das sollte die Bedeutung der schwarzen Null von Olaf Scholz sein.

Es ist auch die Angst mit Menschen anderen Glaubens, anderer politischer Überzeugung, aus anderen Städten und Staaten ins Gespräch zu kommen, über Lösungen für die Klimafrage, sofern sie die Erderwärmung nicht zur Glaubensfrage sondern zur Faktenlage erklären.

Kurzum es ist die Angst ein bestehendes System zu verändern, weil Veränderung immer bedeutet anzupacken, aus der Comfortzone rauszukommen.

Dabei sollte die bestimmende Angst sein, dass uns die Zeit abläuft. Die Weltuntergangsuhr, dooms day clock, steht auf zwei Minuten vor Zwölf. Das war zuletzt 1959 der Fall und da gab es in den Köpfen der Menschen allein den nuklearen Untergang, in der Hochphase des Kalten Kriegs. Heute ist für diesen bedrohlichen Zeigerstand auch der Klimawandel mitverantwortlich. Von 1959 sollte es noch weitere 30 Jahre dauern bis sich der Kalte Krieg dem Ende neigte. Diese Zeit haben wir nicht. 

Unser Konflikt ist heiß, und wird noch heißer und wir müssen ihn gegen uns selbst führen, mit unseren Gewohnheiten brechen, das Überdenken was wir Essen, wie wir uns fortbewegen, wie wir leben. Nur wird es in diesem Fall keine Sieger geben wird, aber uns wird die Möglichkeit gegeben Frieden zu schließen - Frieden zu schließen mit der Natur, die wir nicht erst seit der Industrialisierung bekämpfen. Und wie bei jeder Auseinandersetzung darf man diese nicht anderen überlassen, sonst schreiben nämlich die selbsternannten Sieger wie Rohstoffspekulanten, Bergbaukonzerne, Softdrinkhersteller oder Glyphosatproduzenten die Geschichte und die Natur und wir alle würden verlieren. 

Weil wir den Klimaschutz und Umweltschutz nicht wie bisher den Konzernen und dem freien Markt überlassen können, ist es wichtiger denn je soziale, politische und geografische Grenzen hinter uns zu lassen. Der Klimaschutz ist eine Aufgabe bei der jeder mit zu packen muss. 

Wie schaffen wir dieses gemeinsame Zupacken?

Lange hat sich der Mensch für die Krone der Schöpfung gehalten, sich die Natur unterworfen und zu eigen gemacht. Heute, wie wir hier stehen, wissen wir, dass es nur MIT der Natur geht und nie gegen sie. Dafür braucht es ein neues Miteinander. Vor allem bedarf es einer neuen Erzählung für dieses Miteinander, bei der die Menschen Seite an Seite mit der Natur leben und für sie leben. Nicht als Wildbeuter sondern als Beschützerin. 

Doch… bisher ist der Umgang mit der Natur auch ein Spiegel für das menschliche Zusammenleben. Die Erzählung unserer jetzigen Zeit ist eine von Armut, mieser Bezahlung bei wichtigen Jobs, wie zum Beispiel in der Krankenpflege, von Entscheidungen über die Köpfe von Schülern und Studentinnen hinweg, in der Kanzlerinnen große Klimaziele versprechen und willentlich nicht einhalten, um nur einen winzigen Teil der Beispiele zu nennen. Teil dieser neuen Erzählung müssen nicht nur wir alle sein, die heute auf die Straße gehen und damit bereits daran mitschreiben, es muss ebenso das Wohl der Gesellschaft - das Gemeinwohl - sein. Umwelt- und Klimaschutz tragen zum Gemeinwohl in der Zukunft unermesslich bei. 

Die Regeln und damit die Gesetze müssen sich ändern, damit unsere Forderungen nicht zu Archivmaterial auf Instagram, Youtube oder Facebook werden. Die Angst kann niemand verbieten, aber wir können dafür sorgen, dass sie nicht mehr die Regeln bestimmt. Das schafft gleichzeitig mehr Akzeptanz bei jenen Menschen, die befürchten ihre sozialen Nöte kämen bei der Debatte um Klimaschutzpolitik zu kurz. 

Denn wie in unseren Zeiten üblich wird erst einmal laut über die Kosten gesprochen, bevor etwas beschlossen wird. Natürlich kostet ein sozialökölogischer Umbau mit seinen Überlandleitungen, Windparks, Kohleausstieg und verstärkten öffentlichen Nahverkehr. Nur besagen Studien, dass die Folgen des Klimawandels uns wirklich schmerzende Kosten bereiten werden, wenn wir heute nicht ins Morgen investieren. Ja, es wird teuer.

Aber teuer oder billig sind Maßstäbe, die in diesem Fall, wenn es um eine lebenswerte Zukunft einer Gesellschaft geht, nicht nur kurzsichtig, sondern auch dämlich sind.

Ganz anders ist es bei den Kosten für die einzelnen Bürger*innen schauen. Solaranlagen auf dem Dach, E-Autos, Jahrestickets für Nahverkehr und Deutsche Bahn - am besten alles zusammen. Das kann sich nur leisten, wer gut verdient. Der Staat muss dafür sorgen, dass Klimaschutz vom Kinderbett bis zum Rollator bezahlbar ist.

Wie sieht es mit klimaverträglichen Lösungen vor Ort aus?

Der Klimaschutz fängt vor der Haustür an. Gelsenkirchen ist eine Stadt gemacht für den Autoverkehr. Davon müssen wir durch einen starken Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Absprache mit unseren Nachbarstädten wegkommen. Durch einen Ausbau von Fahrradwegen und geförderten E-Bikeverleih, würden mehr Gelsenkirchenerinnen aufs Auto verzichten. Gezielte Förderung und Ansiedlung von Unternehmen, die gemeinwohlorientiert sind, ein Versiegelungsstopp für Flächen und Brachland der Natur überlassen, gegen das massive Insektensterben. Das sind nur einige der Ideen, um unsere Stadt fit für den Klimaschutz zu machen. Was sind eure? Wie viele Ideen würden zustande kommen, wenn jeder der heute unterwegs ist, sie aufschreiben würde, wenn wir sie sammeln würden? Dies wäre jedenfalls ein viel besserer Ratgeber für die Klimapolitik als die bisherige Angst.

Der große Naturforscher Alexander von Humboldt wäre letztes Wochenende 250 Jahre alt geworden. Mit Sicherheit würde er unseren Protest unterstützen, wäre er noch am Leben. Aber seine Worte reichen zeitlos bis ins Heute und mit diesen möchte ich schließen: „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden.“