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Presseerklärung - Betriebsschließungen bei Küppersbusch und Seppelfricke

DIE LINKE. Gelsenkirchen ist bestürzt und empört über die Entscheidungen der Kapitaleigner der Traditions-Firmen Seppelfricke und Küppersbusch zur Schließung ihrer Produktionswerke in Gelsenkirchen. „Hier wird darauf gesetzt, dass in der Corona-Krise die Menschen in Gelsenkirchen vor lauter Sorge um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen die asozialen Entscheidungen nicht wahrnehmen würden und wegen der Abstandsgebote in der Öffentlichkeit keine gewerkschaftlichen Kundgebungen zustande kommen“, sagt Fraktionsvorsitzender Martin Gatzemeier zur Strategie der hinter Seppelfricke stehenden Aalberts-Industries.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Eigentümer von Küppersbusch, der spanischen TEKA-Konzern. „Die hängen sich mit der gleichen Erwartung an die Seppelfricke-Schließung. Hier von der ‚Solidarität der Krähen‘ zu sprechen, würde die armen Vögel beleidigen“, so Gatzemeier weiter. „Die Verantwortlichen bei Küppersbusch nutzen die aus ihrer Sicht doppelte Gunst der Stunde – Corona-Krise und Seppelfricke-Schließung – schamlos für sich aus.“

Dabei könnten beide Betriebe eine gute Zukunft haben:

Aber Seppelfricke Armaturen ist seit Jahren schon von den Kapitaleignern systematisch kaputtgespart worden. Statt in die notwendige Erhaltung der Anlagen und Gebäude zu investieren, zog die Muttergesellschaft nur Gewinne heraus. Die IG Metall und der Betriebsrat wiesen schon seit Jahren darauf hin. Von gewerkschaftlicher Seite wurde sogar eine Beteiligung der Beschäftigten an den notwendigen Investitionen angeboten – wenn sie denn erfolgt wären. Ein dazu abgeschlossener Tarifvertrag liegt seit Jahren in der Schublade, ist von beiden Seiten unterzeichnet, trat aber nie in Kraft. „Wir befürchteten, es sei von Anfang an der Plan der Kapitalseite, Seppelfricke in Gelsenkirchen zu schließen. Aber man wolle bis zum Ende noch Profit am Standort machen. Das war der Grund, warum wir das In-Kraft-Treten des Tarifvertrages von den Investitionen abhängig gemacht haben“, sagt Robert Sadowsky, damals 1. Bevollmächtigter der IG Metall Gelsenkirchen, heute gewerkschaftspolitischer Sprecher der LINKEN Gelsenkirchen. Genau diese Befürchtung bestätigt sich nun. Den Kapital-Eignern ist Produkt, Standort und Belegschaft egal. Es geht ihnen um nichts weiter als Profit.

Die Hilfen der Öffentlichkeit, insbesondere der Stadt Gelsenkirchen, nahm man gern entgegen. Aber nicht im Traum dachte man daran, sie auch zum öffentlichen Nutzen, wofür sie gedacht waren, einzusetzen.

 

Ähnlich stellt sich die Situation bei der Küppersbusch Großküchentechnik dar: 

Unter großen Anstrengungen, vor allem durch die Belegschaft, wurde das Unternehmen fit für die Zukunft gemacht. Dazu zählten ebenfalls verschiedenste Hilfen der Stadt Gelsenkirchen. Sehr produktiv und mit guten Abläufen kann der Gelsenkirchener Betrieb hochmoderne und energieeffiziente Küchen beispielweise für Krankenhäuser, Schulen oder Betriebe herstellen. Wegen „konzernstrategischen Überlegungen“ hatten die Eigentümer allerdings kein Interesse mehr an diesen Produkten. In der Folge begannen Verkaufsverhandlungen. Interessierte fanden die Konzernlenker auch. Schließlich war schon Mitte 2019 alles geregelt, sogar mit dem Betriebsrat ein entsprechender Interessenausgleich und Sozialplan zum Verkauf abgeschlossen. Nur eines war offen: Der Kaufpreis. Auf den wirkten sich die Weltlage (Kriege und Vertreibungen, Handelsbeschränkungen z.B. mit Russland) und schließlich besonders die aktuellen Auftragsrückgänge wegen der Corona-Krise stark negativ aus. Und wenn es Käufer und Verkäufer nur um den Gewinn geht, dann bleiben allen voran Beschäftigte und öffentliches Interesse, auf der Strecke. Die Verhandlungen wurden abgebrochen und die Schließung verkündet.

Für DIE LINKE. Gelsenkirchen stellt sich die Frage, wie öffentliches Interesse und wirtschaftliche Entscheidungen miteinander in Einklang zu bringen sind. Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie die drohenden Armutsrisiken der Betroffenen und der zusätzliche Verlust guter, zukunftsfähiger Arbeitsplätze in gesellschaftlich wünschenswerten und umweltförderlichen Branchen ist nicht hinnehmbar. Eigentum an Produktionsmitteln, das nicht einer gesellschaftlichen Verantwortung verpflichtet ist, sondern sich rein an Profitzielen orientiert, ist nicht zukunftsfähig. Dazu sagt Robert Sadowsky: „Die Überführung von Betrieben in gesellschaftliche Verantwortung muss auf der Tagesordnung stehen, gerade in der Corona-Krise. Und damit sollte nicht gewartet werden, bis die Kapitaleigner die Betriebe bis zur Unwirtschaftlichkeit ausgepresst haben. Auch das gehört zur Solidarität in der Corona-Krise!“.