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Kundgebung gegen Rassismus und Antisemitismus

Rund 160 Menschen beteiligten sich am 16. Mai an der Kundgebung „Gegen Antisemitismus und Rassismus - für Frieden und Solidarität“ auf dem Bahnhofsvorplatz. Zuvor hatten türkisch-nationalistische und islamistische Gruppen eine antiisraelische Demonstration angekündigt. Es war zu befürchten, dass es zu ähnlichen antisemitischen Ausschreitungen wie am vergangen Mittwoch gekommen wäre.

Der entschlossene Einsatz aller Beteiligten an der Friedenskundgebung zahlte sich aus: Eine neuerliches Aufflammen der Ereignisse von Mittwoch blieb aus.Damit haben die Gelsenkirchener*innen und das Aktionsbündnis gegen Ausgrenzung und Rassismus ein strakes Zeichen für Zusammenhalt mit der jüdischen Gemeinde und für den Frieden in der Stadtgesellschaft gesetzt.

Auch wir waren vor Ort mit einem redebeitrag vertreten, den wir hier noch einmal zum Nachlesen aufführen möchten: 

Dass wir heute hier zusammenstehen, um ein Zeichen für eine friedliche Gesellschaft ohne Antisemitismus zu setzen, ist unglaublich wichtig. Doch sollte es im Jahr 2021 eigentlich eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft sein. 

Die deutsche Geschichte hat gezeigt, dass es ein unverzeihlicher Fehler ist, gesellschaftliche Gruppen für die eigene Unzufriedenheit verantwortlich zu machen. Doch die Lehren aus der fürchterlichen Zeit des Nationalsozialismus dringen nicht in alle Teile der Bevölkerung durch. 

Bereits über die letzten Jahren häuften sich die Angriffe auf unsere jüdischen Mitbürger*innen. Menschen jüdischen Glaubens wurden zusammengeschlagen, beleidigt und in der Öffentlichkeit diskriminiert. Die Angriffe schlagen sich auch in der Kriminalstatistik wieder. 

Was da erwächst ist ein struktureller Antisemitismus, der seine hässliche Fratze bereits am vergangenen Mittwoch in unserer Stadt zeigte. Diese Entwicklung ist besorgniserregend.

Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir geschlossen gegen diese Diskriminierung vorgehen. Eine Gesellschaft lebt von Zusammenhalt. Jede Bestrebung nach Ausgrenzung schwächt diesen Zusammenhalt und macht die Gesellschaft von innen krank. 

Wir müssen zusammen gegen diesen strukturellen Antisemitismus vorgehen und den Beteiligten klare Grenzen aufzeigen. Denn eins steht fest: Judenhass und Rassismus haben keinen Platz in unserer Mitte, nicht in Gelsenkirchen, nicht in Nordrhein-Westfalen und nirgendwo in Deutschland. 

Wir stehen heute solidarisch an der Seite der jüdischen Gemeinde und unserer jüdischen Mitbürger*innen. Dieses Engagement, das haben die Vorfälle am Mittwoch gezeigt, müssen wir aber noch verstärken. Denn was wir da  gesehen haben, ist nur die Spitze des Eisbergs: Der eigentliche Rassismus und Antisemitismus findet im Alltag statt. Er wird in Wohnzimmern ausgebrütet und findet seinen Weg auf die Straße. 

Jetzt war es der Krieg im Nahen Osten, der als Vorwand verwendet wird, diesen strukturellen Hass auszuleben. Was ist es morgen? 

Diese radikalen und nationalistischen Gruppen werden nicht mit ihren antisemitischen Ansichten hinter dem Berg halten, nur weil zwischen Hamas und Israel, hoffentlich so schnell wie möglich, die Waffen schweigen. Der Hass geht im Netz weiter, in Chatgruppen und Alltagsgesprächen. 

Deswegen ist es unsere Aufgabe stärker hinzuschauen: Dort einzuschreiten, die Stimme zu erheben, wo wir Diskriminierung gegen unsere jüdischen Mitbürger*innen erleben. 

In einer Zeit, in der viele Menschen in Existenznöten aufgrund der Corona-Pandemie stecken, in einer Zeit, in der viele Menschen, gerade in unserer Stadt, Zukunftsängste haben und noch kein wirklicher Plan besteht, wie wir den Karren aus dem Dreck ziehen, ist Zusammenhalt umso wichtiger. Dieser funktioniert aber nur mit gegenseitigem Verständnis und nicht über Schuldzuweisungen und Hass. Rosa Luxemburg hat einst gesagt: „Man kann die Menschen nur richtig verstehen, wenn man sie liebt.“

Liebe Mitstreiter*innen lasst uns nach dieser Divise handeln und den Predigern des Hasses aufzeigen, dass sie es auch tun sollten. Denn alles andere, ist ein fataler Irrweg.