Zum Hauptinhalt springen

"Wir werden grottenschlecht regiert" - Sahra Wageknecht kritisiert Politik des Stillstandes

Rund 300 Personen versammelten sich zur Rede von Sahra Wagenknecht.
„Politiker, die so etwas zu verantworten haben, gehören vom Acker gejagt.“
Hanno Raußendorf, klimapolitischer Sprecher der LINKEN NRW.
Jonas Selter im Interview mit Hanno Raußendorf.
Bundestagskandidatin, Ayten Kaplan.
Martin Gatzemeier im Interview.

Vor rund 300 Zuschauernden auf dem Heinrich-König-Platz hielt Sahra Wagenknecht ein leidenschaftliches Plädoyer für einen solidarischen Politikwechsel in Deutschland. Bei der Wahlkampf-Kundgebung der LINKEN Gelsenkirchen am 14. September nahm ebenfalls der Klimaschutz einen großen Raum ein. Der Klimapolitiker Hanno Raußendorf sprach sich ausdrücklich gegen eine Verteuerung durch höhere CO2-Preise aus. Außerdem beantworteten die LINKE-Direktkandidatin Ayten Kaplan und der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Martin Gatzemeier, Fragen zu ihrer Politik.

Der Applaus war groß als Sahra Wagenknecht um 16 Uhr auf die Bühne Schritt. Die LINKEN-Spitzenkandidatin für NRW besuchte das zweite Jahr in Folge Gelsenkirchen. Direkt zu Beginn ihrer Rede verwies sie auf die mangelnde Solidarität in Deutschland. Echter Zusammenhalt zeige sich demnach darin, dass die die mehr haben, etwas abgeben für die, die weniger haben. Während der Coronakrise habe die Politik hat das Gegenteil bewirkt. Die Folge sei eine soziale Spaltung des Landes. 

Viele Rettungshilfen wurden an die falschen ausgezahlt. Als Beispiel nannte sie den Daimler Konzern. Dieser erhielt 700 Millionen Euro Corona-Hilfen, zahlte die gleiche Summe allerdings an seine Aktionäre als Dividende aus. 

Auch viele Superreiche konnten ihr Vermögen während der Corona-Krise um 100 Milliarden Euro steigern. „Was wir in diesem Land endlich brauchen, ist eine ordentliche Besteuerung von solchen riesigen Reichtümern“, forderte Wagenknecht. 

Die gesamte Rede von Sahra Wagenknecht finden Sie Sie zum Nachschauen >>>hier auf unserem YouTube-Kanal.

Ebenfalls kritisierte Wagenknecht den schlechten Zustand des Gesundheits- und Pflegesektors. Nach einem Jahr Corona gebe es weniger Krankenhäuser, weniger Intensivbetten, und Vollzeitpflegestellen als vor der Krise. „Politiker, die so etwas zu verantworten haben, gehören vom Acker gejagt“, betonte Sahra Wagenknecht. Es müsse dringend eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte und mehr Personal in der Branche her, damit Aufgaben auch wieder vernünftig erledigt werden können. „Es ist ein Zeichen der Anerkennung und des Respekts solcher schweren Arbeiten. Denn nach meinem Verständnis leistet eine Pflegekraft unendlich mehr als all die Finanzjongleure in den oberen Etagen der Banken zusammen“, bekräftigte sie. 

Außerdem forderte Wagenknecht eine Reform des deutschen Rentensystems nach österreichischem Vorbild. Dort zahlten alle in die Rentenkasse ein, was am Ende ein höheres Rentenniveau sicherstellt. Die Klimapolitik anderer Parteien kritisierte sie vor allem hinsichtlich der hohen Kosten für die Bürgerinnen und Bürger: „Grüne Politik heißt, den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Zuvor zeigte Hanno Raußendorf, klimapolitischer Sprecher der LINKEN NRW, den linken Plan für eine CO2-Neutralität bis 2035 auf, bei dem die Bürger*innen nicht tiefer in die Tasche greifen müssen. Insbesondere spiele eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und ein öffentliches Förderprogramm zur Transformation des Industriesektors eine Schlüsselrolle. Maßgeblich habe die CDU jahrelang den Ausbau erneuerbarer Energien ausgebremst. 

Eine besondere Freude machte Wagenknecht den Besucherinnen und Besuchern nach ihrer Rede: Die Spitzenpolitikerin verteilte Autogramme und beantwortete weitere Fragen der Anwesenden. Einige konnten auch ein Selfie mit ihr ergattern. So nah kommt man einer Spitzenpolitikerin nicht oft. Doch Sahra Wagenknecht zeigte auch mit dieser Aktion wofür linke Politik steht: Bürgernahe Inhalte.