Eklat im Rat der Stadt Gelsenkirchen
Die Sitzung vom 8. Oktober 2026 wird in die Annalen des Rates eingehen. Man kam sich vor wie in einer schlechten Comedy-Show. Auch der zweite Versuch der AfD Ersatzleute für ein verstorbenes prominentes Mitglied zu wählen, endete Dank schlechter Regie in einem Desaster für alle Beteiligten. Beginnen wir mit dem Anfang.
Unter dem Tagesordnungspunkt 14.1 wollte die AfD ihren Hauptstrategen Tobias Obernier in ein Gremium wählen lassen und das ging in öffentlicher Wahl schief. Bei 19 zu 21 Stimmen, vor allem die SPD hat dagegen gestimmt, wurde die Bewerbung abgelehnt. Dann sollte ein Platz im Städtetag durch Frau Seli-Zacharias nachbesetzt werden. Bei der dafür beantragten geheimen Wahl gab es 21 Stimmen für sie, aber auch 35 Gegenstimmen. Damit durchgefallen, aber immerhin haben sich doch Mitglieder aus dem „demokratischen Spektrum“ bemüßigt gefühlt die „Putzfrau“ der AfD zu wählen.
Nun kann man natürlich weitermachen oder auf weitere Wahlgänge verzichten und in die Beratung gehen. Dies haben aber die Protagonisten anders gesehen und jetzt wird die Wählerei zur Posse à la Hausmeister Krause: Alles für´n Dackel.
Bei der Besetzung eines freien Platzes bei der stadteigenen Wohnungsgesellschaft ggw hätte man spätestens erwartet, dass die SPD einen Gegenkandidaten zu den Vorschlägen der AfD aufstellt. Aber nein, die Chefstrategin der SPD Hannah Huesmann-Trulsen – gleichzeitig auch Vorsitzende des Aufsichtsrats der ggw - ließ alles weiterlaufen. Das Ergebnis in geheimer Abstimmung war klar und der Kandidat der AfD wurde abgelehnt.
Jetzt versucht Hausmeister Krause-Obernier eine neue Wahl für den gescheiterten Versuch der Neubesetzung sofort durchzusetzen. Geht aber nicht, der Wahlgang ist abgeschlossen und kann nicht wiedergeholt werden. Der Tipp von der Verwaltungsbank, bitte gleich mehrere Kandidaten aufstellen. Hat Hausmeister Krause aber nicht verstanden und weist vorher darauf hin, dass die AfD bei einem Scheitern des Kandidaten sofort und ohne Verzug einen nächsten Vorschlag einbringen wird. Ergebnis: Kandidatin abgelehnt.
Die Verwaltungsbank erklärt noch einmal, dass eine zweite Wahl für den Posten nicht möglich ist. Sie sollen gleich mehrere Kandidaten melden. Jetzt hat Krause verstanden und bringt gleich vier Kandidaten auf den Wahlvorschlag für ein Ersatzmitglied bei den Stadtwerken. Wieder geht es in eine geheime Wahl. Ergebnis: 14 Stimmen für den einen, sechs für den nächsten und eine Stimme jeweils für die restlichen. Aber immerhin 26 Nein-Stimmen.
Jetzt sollte eine Stichwahl erfolgen zwischen den beiden Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl. Aber bevor es dazu kommt, stellt Krause lapidar fest, die Wahl sei ungültig, weil ein Kandidat bereits ordentliches Mitglied im Aufsichtsrat sei und somit hätte nicht auf dem Wahlschein hätte stehen dürfen. Die Reaktion im Rund war ungläubiges Staunen. In der ersten Reihe gibbelte die „Putzfrau“ ohne Ende über die gelungene Vorführung, selbst Krause konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Nach kurzer Beratung über das „Wie weiter“ stellte die SPD den Antrag auf Vertagung, dem wurde stattgegeben und nun geht es am 2. November 2026 weiter.
Vielleicht mal ein paar Tipps an die Regisseure. Die SPD sollte Gegenkandidaten aufstellen und für sie eine Mehrheit organisieren, die AfD sollte den Quatsch mit den geheimen Wahlen lassen. Dies bringt zwar zwei Stimmen mehr ein, aber nicht die nötigen Mehrheiten. Sie verzögert mit dem „Geheimen“ nur die Sitzungsdauer um 20-25 Minuten pro Wahl. Die Sitzung endete kurz vor 23 Uhr, eine Zumutung für alle, besonders für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die sich nicht gegen solche Spielchen wehren können und ihre maximale Arbeitszeit deutlich überschreiten mussten. So wie diese Ratssitzung abgelaufen ist, war es sicherlich keine Werbung für die Demokratie und nicht für das Ehrenamt, dass sind Kommunalpolitiker nun einmal.

