Zum Hauptinhalt springen

Neue Männer braucht das Land

Foto: Pixabay

Was Ina Deter 1983 zum Besten gab, gilt auch noch heute. In den letzten Wochen wurden wichtige Funktion in Politik und Verwaltung mit neuen Männern besetzt. Das war zumindest der Plan. Für den bisherigen Gelsen-Net-Chef Thomas Dettenberg ist es nicht gut gelaufen: Eigentlich sollte er mit einer halben Stelle neuer Geschäftsführer der Stadtwerke werden. Im Aufsichtsrat konnte er dafür jedoch keine Mehrheit gewinnen. Aus wirtschaftlichen Gründen hätte Dettenberg zusätzlich Geschäftsführer von Gelsen-Net bleiben sollen. An dem Unternehmen ist auch die Gelsenwasser AG beteiligt. Diese Konstruktion stößt bei den Beschäftigten der Stadtwerke auf erhebliche Vorbehalte. Der Stadtwerke- Geschäftsführer Manfred Ackermann führt bereits zusätzlich die Emscher Lippe Energie GmbH ELE. Beide Unternehmen und Gelsenwasser stehen zumindest auf dem Energiemarkt in Konkurrenz zueinander. Der vorherige Chef der strukturell defizitären stadteigenen Stadtwerke Harald Förster hatte 2025 eine Vertragsverlängerung abgelehnt. Mit einer Teilzeitstelle sind die Probleme der Stadtwerke kaum zu lösen.

Für Daniel Schweihoff (SPD) ist es nur zu Beginn besser gelaufen. Er wurde zwar im Mai neuer Kämmerer, aber musste umgehend eine Haushaltssperre verkünden. Das aktuelle Jahr läuft für Gelsenkirchen schlecht. Das Defizit beträgt fast 70 Millionen Euro und ist damit fast doppelt so hoch, wie der bereits erwartete Fehlbetrag von 35,7 Millionen Euro. Die Haushaltssicherung rückt damit immer näher. Christian Klicki (CDU) ist im Verwaltungsvorstand für Wirtschaft, Arbeit und Soziales, Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zuständig. Sein Amtsantritt wurde ebenfalls durch schlechte Nachrichten begleitet. Die Agentur Stadtmanufaktur aus Hamburg veröffentliche ihre Ergebnisse einer Analyse und Bürgerbefragung zur Entwicklung der Innenstadt mit einem katastrophalen Ergebnis. Sechs von zehn Befragten meiden die Gelsenkirchener Innenstadt. Vier von zehn fällt kein Ort in der City ein, den sie auswärtigen Gästen zeigen würden. Und 43,5 Prozent verbinden mit der Innenstadt nichts Konkretes. Fast 60 Prozent besuchen die Gelsenkirchener Innenstadt am Wochenende gar nicht. Auch abends zwischen 18 und 22 Uhr zieht es nur wenige in die City. Neu sind diese Ergebnisse nicht und dürften in der Verwaltung niemand verwundern. 

Der vierte neue Mann ist Benjamin Majert (CDU). Er übernimmt den Entsorgungs- und Grünpflegebetrieb Gelsendienste. Ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren wiederholt mit Skandalen, internen Konflikten und Vorwürfen im Zusammenhang mit falschen Abrechnungen für Schlagzeilen gesorgt hat. Die größte Aufgabe wartet in Erle. Der Betriebshof Adenauerallee muss jetzt endlich komplett saniert werden. Weiter zu verschieben werden die Mitarbeiter nicht mitmachen. Nach den vier Männern kommt mit Dörte Schall (SPD) endlich die erste Frau ins Spiel. Sie ist für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration zuständig. Von 2015 bis 2024 leitete sie in Mönchengladbach das Sozialdezernat und war zuletzt Stadtdirektorin. Anschließend war sie bis Mai 2026 Sozialministerin in Rheinland-Pfalz und stellvertretendes Mitglied des Bundesrats. Bildung, Kultur und Integration gehören in der Stadt zu den wichtigsten und schwierigsten Themen. Das gilt insbesondere vor den finanziellen Schwierigkeiten im Stadthaushalt, die sich dramatisch zuspitzen. Ihre Wahl erinnert an die sozialdemokratische Hoffnungsträgerin Annette Berg, die 2016 vom Jugendamt Essen nach Gelsenkirchen auf diesen Posten gewechselt ist. Sie wurde als mögliche Kandidatin der SPD für das Amt der Oberbürgermeisterin gehandelt. Letzten Endes ist sie an der Männerwirtschaft in SPD und Verwaltung gescheitert. 2020 ist sie zurückgetreten und ist inzwischen Beigeordnete in Wuppertal. 

Vier Männer, eine Frau – das ist keine ausgewogene Spitze, sondern ein altbekanntes Machtverhältnis. Wenn Gelsenkirchen einen Neuanfang will, muss es Frauen nicht nur für die schwierigen Aufgaben holen, sondern ihnen auch die Macht und den Rückhalt geben, die bislang meist Männern vorbehalten bleiben.

Mehr Frauen braucht die Stadt. 

 

Zurück zum Kopf der Seite